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Paläste und Liebesschlösser

Erstaunlicherweise hatte ich in Seoul kein Jetlag, was ich total super finde, weil ich so den ganzen Tag nutzen konnte ohne völlig übermüdet zu sein, oder zu verschlafen. Weil ich ein kleiner Kontrollfreak bin, hatte ich sowieso keine Zeit für ein Jetag, denn die Reise war bereits von vorne bis hinten durchgeplant. 

 

Unser erstes Ziel war der Gyeonbukgung Palast, da er zu Fuß nicht weit von unserem Hotel entfernt war. Schon auf dem Weg dort hin, sah man, dass sich hier viele Touristen aufhalten. Die meisten Schilder waren auch auf Englisch beschriftet und man hatte des öfteren die Gelegenheit sich traditionelle Kleidung auszuleihen, das sowas tatsächlich sehr gefragt ist habe ich dann später herausgefunden. 

 

Was mich in Asien jedes Mal wieder fasziniert ist die Architektur. Nicht nur die neuen vollverglasten Wolkenkratzer, besonders angetan haben es mir die alten Paläste und Tempelanlagen. Der  Gyeonbukgung Palast ist einer von fünf in Seoul und  auch wenn es nicht so aussieht der weitläufigste. Schon als wir dort ankamen war ich total begeistert von diesem Ort.

Was mir besonders aufgefallen ist sind die vielen jungen Frauen, die im Hanbok (Tracht) durch den Palast und die Gärten spaziert sind und dort Fotos von sich gemacht haben. Es gab auch Männer in traditioneller Kleidung, aber die waren definitiv in der Unterzahl. 

Vielleicht ist es eine Überlegung wert auf dem Oktoberfest einen Dirndl Verleih zu eröffnen. Wenn Hanboks bei den Touristen so gut ankommen, kann das ja auch in Deutschland ein gutes Geschäft sein. 

 

Auf den ersten Blick erschien der Palast gar nicht so groß, als wir dann den Ausgang gesucht haben, haben wir erst gemerkt was wir alles  nicht gesehen haben. Das lag einfach daran  dass wir nicht durch das Haupttor hineingegangen waren, sondern direkt beim Natinal Folk Museum. Das war im Preis für den Palast mit drin und war einen Besuch wert. Hier konnten wir viel über die korenische Kultur lernen, die Kleidung, die traditionelle Medizin und die Nahrung. Es gibt auch noch ein Palast Museum, aber das haben wir irgendwie übersehen.  

 

Da wir uns ein Kombiticket für alle fünf Paläste geholt hatten, sind wir dann weiter zum Changdeokgung Palast. Der war zu Fuß sehr gut vom anderen Palast aus zu erreichen. Das erste was mein Freund meinte als wir da waren war: "Toll, der sieht ja genau so aus wie der andere Palast."

Damit hatte er schon irgendwie Recht, aber es geht ja nicht immer nur um den Palast, sondern auch um das Drumherum. Hier gab es den Geheimen Garten, den ich gerne gesehen hätte. Leider geht das nur mit Führung und dafür hätten wir eine halbe Ewigkeit warten müssen. Weil sich die Begeisterung meines Freundes auch eher in Grenzen gehalten hatte, entschloss ich mich dazu, dass der Geheime Garten dann einfach ein Grund wird nochmal wieder zu kommen.

Der dritte und letzte Palast für den Tag war der Jongmyo Schrein. Dieser schließt sozusagen an den Changdeokgung an und ist ein Schrein für verstorbene Könige und Königinnen.

Wenn man den Schrein betritt sieht man vor sich einen dreigeteilten Weg, hier darf die Mitte nicht betreten werden - das ist nämlich der Weg für die Geister. Das Geister Thema wird tatsächlich in mehreren Anlagen konsequent durchgezogen. Bei einigen Toren ist die Tür in der Mitte sogar verschlossen, ist ja klar, ein Geist kommt da auch so durch. 

In der Ahnenhalle sind 19 Könige und 30 Königinnen durch Ahnentafeln verewigt. Das sind ja gar nicht mal so wenige, ich kann verstehen, dass die ihren eigenen Weg brauchen.

 

Da drei Paläste für einen Tag auch echt genug sind und sie ehrlicherweise auch nicht unbedingt die aufregendste Attraktion Seouls sind, haben wir uns dann auf den Weg zum Namsan Park gemacht. 

Es ist schon etwas her, dass ich Boys over Flowers gesehen habe, aber eins weiß ich noch genau. Es gab diese Szene wo die beiden Hauptdarsteller Nachts, im Winter völlig alleine mit der Seilbahn entweder vom Berg runter oder eben rauf gefahren sind. Nachdem ich mindestens eine halbe Stunde bei brüllender Hitze und nur einem gelegentlichen kühlen Hauch der Klimaanlage in der Schlange zur Seilbahn stand, hatte ich mein eigenes Koreanisches Drama quasi schon erlebt. Wie im Fernsehen war das definitiv nicht. Einen guten Blick über Seoul hatten wir von der Bahn aus trotzdem. 

 

Ich wusste, dass beim N Tower Liebesschlösser an den Zäunen hängen, dass diese Schlösser dann aber tatsächlich überall hängen wo es nur möglich ist hätte ich nicht gedacht. Sich das ganze mal anzusehen stand ganz oben auf meiner Bucket list, eins mit angehängt haben wir aber nicht. Man findet es ja sowieso nie wieder. 

Zurück sind wir dann zu Fuß gegangen, das war nicht nur günstiger, man hatte auf mehreren Aussichtsplattformen auch immer wieder einen tollen Blick über die Stadt.

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