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Ein Blick in den Norden

Die Geschichte von Korea fasziniert mich schon seit langem, vor allem das was in Nordkorea passiert. Vor ein paar Jahren stieß ich in einer Zeitschrift auf einen Artikel über eine nordkoreanische Frau, die ein Buch über ihre Flucht geschrieben hat. Ich habe nicht nur ihr Buch gelesen, sondern auch viele andere und war erschrocken über die Zustände in diesem Land. 

Füch mich war es absolut klar, dass ich eine Tour durch die Demilitarisierte Zone mache. Das war der wichtigste Punkt auf meiner Bucket List und auch das worauf ich mich am meisten gefreut hatte. Eigentlich bin ich kein großer Fan von geführten Touren, aber anders ist es wohl nicht möglich diesen Teil des Landes zu sehen.

In der DMZ gibt es viele Sehenswürdigkeiten und Aussichtspunkte. Natürlich schafft man es nicht gleich alle an einem Tag zu sehen.

 

Ein Highlight der Tour ist der dritte Invasionstunnel. Es wurden bisher insgesamt vier entdeckt, man vermutet aber, dass es noch mehr geben könnte. Diese Tunnel wurden von nordkoreanischer Seite gegraben, um den den Süden anzugreifen. In einen dieser Tunnel kann man als Tourist reingehen und diese Chance wollte ich natürlich nicht verpassen. 

Bevor es in den Tunnel geht gibt es noch einen Film, den ich total daneben fand. Es ging um den Koreakrieg und sollte diesen möglichst schrecklich darstellen, das ist durch die Musik und die eher begeisterte Stimme aus dem Off, aber überhaupt nicht rübergekommen. 

 

Die Reiseleitung hatte uns schon vorgewarnt, dass es steil bergab geht und wir im Tunnel einen Helm tragen müssen. Mit Knieproblemen kann man sich den Tunnel nämlich wirklich nicht ansehen. Ich weiß ja dass Asiaten kleiner sind als Europäer (und mit 1,80m bin ich ja sowieso schon größer als der Durchschnitt), aber, dass Nordkoreaner so winzig sind hätte ich nicht erwartet. Durch den Tunnel bin ich quasi gekrochen, nur um drei Mauern und eine rote Linie, welche die Grenze markieren soll zu sehen.

Nach dem Ausflug zum Invasionstunnelging es zu einer Aussichtsplattform. Die Aussicht scheint auf den ersten Blick wenig spektkulär, aber wenn man darüber nachdenkt, dass man um die 40 Euro dafür bezahlt hat, um unter anderem auf ein Land zu sehen, das Menschenrechte mit Füßen tritt, in dem gehungert wird und es niemandem gut gehen kann, weiß man wie gut man es hat.

 

Ich frage mich auch wie so eine Wiedervereinigung aussehen soll. Ich war nicht dabei als es in Deutschland passiert ist, aber so wie ich denke waren die Probleme dieser neuen politischen Situation zu bewältigen. Die Bürger der DDR wussten ja was es im Westen gab, und sich anzupassen kann keine riesen Herausforderung gewesen sein. 

Korea ist schon sehr viel länger getrennt und die Menschen in Nordkorea leben völlig abgeschnitten von der Außenwelt. DDR Bürger haben 100 DM Begrüßunggeld bekommen, Nordkoreaner kommen nach Hanawon, wo sie erst wie Spione behandelt werden und dann lernen wie Freiheit funktioniert. Mikrowellen bedienen, Bewerbungen schreiben, Müll trennen und mit Geld umgehen sind Fertigkeiten, die hier erst erlernt werden müssen. 

Eine für mich totalverrückte Sehenswürdigkeit war der Dorasan Bahnhof. Diser wurde 2002 gebaut, damit im Falle einer Wiedervereinigung direkt Züge in den Norden fahren können. Auch wenn der Bahnhof schon vor 16 Jahren gebaut wurde, sieht er ziemlich neu und vielleicht sogar etwas futuristisch aus. Das liegt wahrscheinlich einfach daran, dass es hier außer ein paar Touristen kaum Menschen gibt. Bis heute fährt dort kein einziger Zug. 

Noch gleicht der Dorasan Bahnhof einer Geisterstadt, aber irgendwann wird er für Korea das Tor zur Welt sein. 

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