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Durch Reisen das Selbstbewusstsein steigern

Vor ein paar Jahren dachte ich, dass es zwei Arten von Menschen auf dieser Welt gibt. Selbstbewusste und schüchterne Menschen. Obwohl manche Leute mir nie glauben würden, zählte ich mich zu den schüchternen Leuten. Für mich war es ein Wunder, wie andere so viel mehr Selbstvertrauen haben konnten als ich, und ich fragte mich, ob ich jemals meine Situation ändern würde. Jetzt wurde mir klar, dass Selbstbewusstsein nicht etwas ist, mit dem du geboren wurdest, du kannst es während deines Lebens gewinnen. Ich glaube, das Selbstbewusstsein baut auf den Erfahrungen auf, die wir machen, und ich habe das meiste Selbstbewusstsein auf Reisen aufgebaut.

Meine allererste Reiseerfahrung allein war, als meine Mutter mir eine Fahrkarte nach Bremen gab und sagte: "Ich bin sicher, dass du den Weg alleine finden wirst." Natürlich hatte ich Angst, dass ich mich verlaufen könnte, aber der Weg stellte sich als sehr leicht zu finden heraus. Von diesem Tag an hatte ich meine erste positive Reiseerfahrung und wurde ein sehr unabhängiges Kind. Ich bin froh, dass mir das passiert ist und meine Eltern mir eine Art Freiheit gegeben haben, die meine Freunde nicht hatten.


In den folgenden Jahren erweiterte ich den Abstand zu meinen Eltern, als ich alleine reiste. Mit sechzehn hatte ich meinen ersten Flug allein nach Italien und als ich achtzehn war, kaufte ich mir ein Flugticket nach China. Die Erfahrungen, die ich gemacht habe, waren beides: frustrierend und absolut großartig. Ohne Reiseerfahrungen wäre ich nicht die gleiche Person, und ich bin dankbar, dass sie mich so selbstbewusst gemacht haben, wie ich jetzt bin, denn wenn ich ehrlich bin: Schüchtern ist wirklich scheiße!

Gap years, Schüleraustausch oder Work and Travel?

So viele Leute, die ich kenne, haben ein sogenanntes Gap year gemacht. Ich nicht und ich werde oft gefragt warum. Die Frage sollte nicht sein, warum ich kein Jahr in einem anderen Land verbracht habe und ein ganzes Schuljahr für viel Geld verschwendet habe, das ich noch nie hatte. Die eigentliche Frage sollte sein, warum du ein Gap year oder Schüleraustausch machen willst! Ich möchte niemanden beleidigen, und ich bin mir ziemlich sicher, dass Gap years eine großartige Chance sind, um die Sprachkenntnisse zu verbessern und ein fremdes Land und die Kultur kennen zu lernen.


Ich verstehe die Leute nicht, die wachsen und sich entfalten wollen, aber ein Land wählen, das ihrem Heimatland sehr ähnlich ist. Sicher, kann man großartige Erfahrungen in den USA, in Australien oder Spanien sammeln, aber sag mir, wo die eigentliche Herausforderung liegt? Für die Selbstentwicklung würde ich immer ein Land mit einer völlig anderen Kultur, Sprache und Landschaft empfehlen. Eine Freundin von mir ging für ein Jahr nach Botswana und kam als völlig andere Frau zurück. Ich bin neidisch auf ihre Erfahrungen und stolz darauf, dass sie so große Fortschritte gemacht hat.


Ich würde auch ein Austauschsemester während Studiums empfehlen, wenn man es sich leisten kann. Fu solltest immer darüber nachdenken, ob es den Preis wert ist, so viel Zeit in einem anderen Land zu verbringen. Wenn du zwei oder drei Wochen im Urlaub bist, kannst du manchmal mehr lernen, als ein halbes Jahr im Auslandssemester.

Alleine Verreisen

Mit achtzehn bekam ich zu meinem Geburtstag ein bisschen Geld und kaufte ein Flugticket nach China. Ich kaufte zuerst ein Ticket und sagte es dann meinen Eltern, damit sie mich nicht zurückhalten konnten. Durch das Adopt-a-Student-Programm hatte ich einige Kontakte in China, daher war ich dort nicht wirklich alleine.


Das Land hat mich wirklich herausgefordert, weil ich schnell herausfand, dass nicht alle Chinesen Englisch verstehen und sprechen, auch wenn sie wie in meinem Alter aussehen. Darüber hinaus haben sie auch einen sehr starken Akzent, der schwer verständlich sein kann. Ich erinnere mich, dass ich Freunde an einer U-Bahnstation treffen wollte, aber ich wusste nicht wirklich, wie ich dorthin kommen sollte, und verirrte mich auf dem Weg. Mein Handy funktionierte in China nicht und ich hatte vergessen, etwas Wasser mitzunehmen. Ich fragte mehrere Leute, ob sie mir helfen könnten und nur einer von ihnen konnte mich verstehen. Ich war am Ende des Tages irgendwie frustriert, aber als ich meine Freunde fand, war ich sehr glücklich und halb verdurstet.


Ich habe in China viele Erfahrungen wie diese gemacht und obwohl ich dort nicht wirklich alleine war, fühlte ich mich oft hilflos. Manchmal braucht es nur Zeit, um zu erfahren, wie die Dinge in einem anderen Land funktionieren und dass Pläne meistens nicht so laufen, wie man es sich wünscht. Das war eine der wichtigsten Sachen, die ich dort gelernt habe.


Allein zu reisen macht dich wirklich unabhängig. Du triffst Entscheidungen für dich selbst, nicht für jemand anderen, was deine  Reise erleichtern kann. Die Zeit, die du investierst, um zu überlegen, was du wirklich willst, ist ebenso wichtig wie das Erreichen dieser Ziele. Jedes Mal, wenn du etwas erreichst und das vielleicht nur auf indirekte Weise, wirst du dich großartig fühlen!

Spring ins kalte Wasser

Natürlich ist es einfacher, in Länder zu reisen, in denen du schon mal warst und in denen du die Sprache sprichst. Um zu wiederholen, was ich zuvor geschrieben habe: Nimm eine Herausforderung an! Das bedeutet nicht, dass ich empfehle, in Gebiete zu reisen, die aufgrund von Kriegen, Krankheiten oder der Kultur gefährlich sind. Springe ins kalte Wasser und entdecke etwas, das du noch nie gesehen hast. Probiere neue Aktivitäten, an die du noch nie gedacht hast. Zum Beispiel Wandern, Windsurfen oder Schwimmen mit Elefanten. Versuche nicht, das Menü zu übersetzen, zeig einfach auf ein Gericht und finde heraus, was es ist.


Ich habe mir verirrt, Essen gekostet, das ich normalerweise nicht esse, bin fast in das falsche Flugzeug gesprungen und nachts alleine durch die Straßen von Peking gelaufen - all diese Dinge machten anfangs keinen Spaß. Dann wurde mir klar, dass diese Momente mich stärker als je zuvor machten. Es gibt nichts, was mich jemals aufhalten könnte, und das zu wissen macht mich sehr Selbstbewusst.