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Buchrezension: Heavy - An American Memoir

Heute schreibe ich über ein Buch, das mir im Buchhandel niemals aufgefallen wäre. Auch wenn ich es liebe Aufsätze, Kolumnen und Biographien zu lesen, lag meine Aufmerksamkeit selten bei den Geschichten von Schwarzen AutorInnen. Ich habe das Gefühl, dass die Black Lives Matter Bewegung gerade wieder etwas abnimmt, aber das ist kein Grund das Schicksal von so vielen Menschen einfach zu ignorieren.
Als eine weiße Frau, weiß ich wie einfach das ist.
Heavy – An American Memoir ist ein Buch, dass ich jedem Menschen empfehlen kann und das aus verschiedenen Gründen. 

Worum es geht

Die beiden großen Themen über die Laymon schreibt sind Familie und Sucht. Heavy ist auch eine Beschreibung seines Körpers, dessen Gewicht stark schwankt. Das liegt zum einen an der Essucht, später an der Sportsucht aber auch an der mangelnden Fähigkeit sich mit den eigenen Gefühlen auseinanderzusetzen. Hinzu kommt eine Familie in der das Thema Sucht nicht fremd ist und das Verhalten gegenüber den anderen eher missbräuchlich statt unterstützend ist. Er schreibt darüber wie es ist in der schwarzen Gesellschaft in Jackson, Mississippi als Sohn einer brillianten Mutter aufzuwachsen und sich seinen Weg durchs Leben zu schlagen. 

 

Das Buch ist keine Geschichte, die von vorne nach hinten in einem durch erzählt was irgendwann einmal passierte. Vielmehr handelt es sich um mehrere Aufsätze aus verschiedenen Lebensabschnitten, die zwar chronologisch angeordnet sind, aber zum Teil große Zeitsprünge aufweisen. Laymon beginnt mit einem Abschnitt in dem er zwölf Jahre alt ist und der Leser begleitet ihn dabei erwachsen zu werden und wird dabei durch den Stil und die Sprache sehr gut mitgenommen. Am Anfang schreibt Laymon nur was er sieht und hört, schreibt wenig über seine Gefühle, wie es auch ein zwölfjähriger tun würde. Später dann wird er selbstreflektierender und auch der Schreibstil wird erwachsener.

 

 

Gerade weil dieses Buch während der Black Lifes Matter Bewegung so oft empfohlen wurde ist der Leser motiviert in diesem Buch nach Rassismus zu suchen. Der spielt natürlich eine große Rolle, auch wenn er nicht das Hauptthema ist. In diesem Buch ist wunderbar beschrieben wie Rassismus funktioniert und wie versteckt er zum Teil ist. Hier und da finden sich natürlich Situationen, die offensichtlich rassistisch sind, aber manchmal muss der Leser erst ein bisschen suchen oder nachdenken. Und das ist auch genau das was den Rassismus in diesem Buch so groß macht, auch wenn er einem nicht mit Leuchtreklame, blinkend ins Gesicht geworfen wird. Der subtile Rassismus ist viel schwerer zu verdauen. 

Warum solltest du das Buch lesen?

Heavy ist der richtige Titel für dieses Buch, denn es beschreibt nicht nur den Körper des Autors und seine Erlebnisse, es ist auch schwerer Stoff. Diese 240 Seiten sind so beladen mit Ereignissen, Gefühlen und Erlebnissen , dass es sich anfühlt als würde man 420 Seiten in der Hand halten. Es gibt Biographien, die liest man in einem durch und muss gar nicht groß darüber nachdenken, was man gerade gelesen hat. Hier ist das nicht so. Das mag aber auch am Aufbau des Buches liegen und an der Tatsache, dass ich es in einer Fremdsprache gelesen habe. 

 

Das hier ist kein Buch, das weißen Menschen erklärt wie rassistisch sie sind und wie man das Problem anpacken kann. Es ist auch kein Buch, das in einer Tour Vorwürfe macht oder unsere Gesellschaft direkt anprangert. Dieses Buch beschreibt indirekt welchen Einfluss Rassismus auf das Leben der davon betroffenen Menschen hat. 

 

Der Leser bekommt die Chance ein Leben zu verfolgen und die Auswirkungen von Rassismus, Sucht und Missbrauch auf diese Weise mitzuerleben. Es ist eine einzigartige Möglichkeit in die Haut eines anderen zu schlüpfen.  


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