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Schwarzer Tourismus

Culloden Battlefield
Culloden Battlefield

Vor einigen Wochen wurde ich auf eine Sendung aufmerksam, welche die Katastrophe von Tschernobyl thematisiert. Es war allerdings kein Trailer, kein Plakat und keine Mundpropaganda, was mich darauf aufmerksam gemacht hat. Es war die Werbung von Reiseunternehmen, die Ausflüge dorthin anbieten und einige Instagram Influencer, die eine Reise nach Prypjat gewagt haben. Ich dachte sie müssten verrückt sein. Für mich gab es keinen ersichtlichen Grund, warum jemand an solch einen Ort reisen sollte. Dann habe ich vom sogenannten schwarzen Tourismus gehört und habe herausgefunden, dass sogar ich irgendwie zu den sogenannten Dark Tourists gehöre. 

 

Was ist schwarzer Tourismus?

Es hört sich erstmal nach etwas falschem, vielleicht sogar verbotenem an, aber das ist es nicht. Schwarzer Tourismus beschreibt das besuchen von Orten, die Teil einer Katastrophe waren, wo sich Schrecken abgespielt hat und oft viele Leute gestorben sind. Beispiele für solche Orte sind neben Tschernobyl auch die Katakomben von Paris, Japans Selbstmordwald, Auschwitz oder Culloden Moor. Es gibt unzählige dieser Orte und viele von uns haben mit Sicherheit schon mal einen solchen besucht. Sei es bei einem Schulausflug, während einer Reise oder sogar zufällig beim spazieren. Beim schwarzen Tourismus geht es darum sich genau diese Orte anzusehen, statt bei Sonnenschein am Strand zu liegen. 

 

Roses at Culloden

Warum schwarzer Tourismus?

Die Zeitungen schreiben Schlagzeilen wie “Urlauber besuchen gerne Orte an denen Katastrophen geschehen sind!” und erwecken dabei erstmal ein Gefühl von Unverständnis bei ihren Lesern. Was denn auch sonst, denn es liest sich so als wären diese Urlauber alle sensationsgeil. Schwarze Touristen sind allerdings alles andere als das. Wer sich vorstellt, dass diese mit dem Selfie Stick in der Hand aus dem Reisebus aussteigen und ab der ersten Sekunde einen Vlog drehen, liegt weit daneben. Denn schwarzen Touristen geht es nicht um Selbstinszenierung, sie wollen etwas lernen, sich fragen wie sie in dieser Situation gehandelt hätten, suchen eher die Ruhe und gehen dabei respektvoll mit den Orten um.  

 

Wann ist es kein schwarzer Tourismus?

Mit Orten an denen Menschen sehr viel Leid erfahren haben muss sensibel umgegangen werden. Leider vergessen das einige Menschen immer wieder. So kam es zu einem riesigen Eklat als Logan Paul den Aokigahara besuchte und sich in keiner Weise respektvoll verhielt. Gerade durch das Internet wird es immer leichter Orte des schwarzen Tourismus zu finden und zu besuchen. Wer dabei vergisst sich zu benehmen und nicht kommt um etwas zu lernen und nachzudenken kann sich auch nicht schwarzer Tourist nennen. Es sind genau diese Leute wegen denen die Szene wohl immer öfter in Verruf gerät. 

 

Stone at Culloden

Meine Erfahrungen mit schwarzem Tourismus

Ich war noch nicht an vielen solcher Orte, vor allem weil ich es schwer finde abzugrenzen ab wann ein Ereignis eine Katastrophe war. Deshalb bin ich mir bei dem Wald in dem die Varusschlacht stattfand absolut nicht sicher, ob das überhaupt dazu zählt. Bei Orten wie dem KZ Bergen-Belsen oder Culloden Moor kann ich mir allerdings ziemlich sicher sein. An ersteres habe ich wenig Erinnerungen, weil das in meiner Schulzeit stattgefunden hat. 

Das Culloden Battlefield war mir bisher nur aus Outlander bekannt und stand als wichtigster Schlachtplatz Schottlands natürlich auf der To-See Liste, als ich dort drüben war. Wenn man sowas in einer Doku oder in einer Serie sieht ist das etwas völlig anderes, als wenn man wirklich an diesem Ort ist. Ist man wirklich da, wird das was geschehen ist viel greifbarer und es packt einen. Es war nicht unbedingt ein bedrückendes Gefühl, aber es hat mich nachdenklich gemacht dort zu sein. Ich fand es erstaunlich zu was Menschen imstande sind wenn sie fest an etwas glauben, von etwas überzeugt sind oder auch einfach Angst haben. Die Schotten haben fest an ihren König geglaubt und hatten vermutlich Angst davor, dass die Engländer ihnen ihre Freiheit nehmen. Etwas das immer wieder in der Geschichte der Menschheit an den verschiedensten Orten passiert. Bei strahlendem Sonnenschein über diese Wiese zu laufen, wo sich die wichtigste schottische Schlacht zugetragen hat und dessen Ausgang den Untergang der Highlanderkultur bedeutete sollte jedem Reisenden einen Denkanstoß geben.  

 

Ich würde wieder an so einen Ort reisen. Während meiner Schulzeit habe ich so viel über die Menschheitsgeschichte gelernt, aber so wenig wirklich verstanden. Ich denke dass der sogenannte schwarze Tourismus uns hilft zu verstehen wie die Menschen damals gehandelt haben und wie sie sich gefühlt haben mussten und das auf eine Art und Weise, die kein Buch und kein Film nachahmen können. Deshalb sind es gerade geschichtlich wichtige Schauplätze die mich interessieren. 

 

Habt ihr selbst Erfahrungen mit schwarzem Tourismus oder wollt welche machen? Welche Orte reizen euch besonders und welche gar nicht, oder lehnt ihr diese Form des Reisens komplett ab. Lasst es mich wissen, ich bin gespannt!

 

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